Labrador Retriever mit Epilepsie

Epilepsie:

 

Im Mai 2011 hat mich die Zuchtkommission des LCD gebeten, einen Erfahrungsbericht zu schreiben, damit dieser in der Clubzeitschrift des LCD abgedruckt werden konnte. Nachdem ich diesen dann fertig hatte, schickte ich ihn per Mail an die Zuchtkommission und den 1. Vorsitzenden (damals Herrn Moch) und wartete gespannt auf die nächsten Ausgaben der Zeitschrift. Aber nichts passierte.

 

Ich nahm dann wieder Kontakt zu Frau Lehnen von der Zuchtkommission auf. Nach mehreren Telefonaten und Emails mit der Zuchtkommission bekam ich das Ergebnis, dass "man" noch auf einen Artikel eines Neurologen warten würde. Mein Bericht und der Artikel sollten zusammen abgedruckt werden. Nun gut. Ich wartete, aber nichts passierte.

 

Weitere Nachfragen von mir blieben seitens des LCD unbeantwortet.

 

Die erste Hilfe bei Ausbruch der Krankheit, die ich von der Zuchtkommission bekam, war tatsächlich ehrlich gemeint und man hat sich wirklich bemüht. Als das Thema aber ernsthafter wurde und sich immer mehr betroffene Besitzer meldeten, ebbte die Motivation des LCD meines Erachtens schlagartig ab.

 

Mittlerweile hat sich bei mir aus diversen Erfahrungen im Bereich Epilepsie aber auch Herzkrankheiten mit dem Vorstand und der Zuchtkommission des LCD das Bild geprägt, dieser verfolge eine Aussitztaktik, um sich möglichst wenig mit betroffenen Hundebesitzern und ernsthaften Krankheiten zu befassen.

 

Daher veröffentliche ich meinen Erfahrungsbericht auf diesem Wege.

 

 

 

Erfahrungsbericht – Das Leben mit einem Epileptiker

 

 

Nachdem ich meinen Ersthund Balou unbedacht und naiv bei einem Vermehrer gekauft und krankheitsbedingt sehr viel Pech mit ihm gehabt habe, wollte ich mit dem Zweithund alles richtig machen und habe mich für einen Züchter im LCD entschieden. Im August 2008 ist dann Chewy bei uns eingezogen.

 

Von der ersten Minute an bin ich von seiner unermüdlichen Arbeitsfreude, seinem „will to please“ und seiner hohen Motivation, mit mir zu arbeiten, begeistert gewesen. Er hat einen enormen Energiebedarf gehabt und hat nur schlecht zugenommen, so dass er zeitweise 1,5 kg täglich Trockenfutter gefressen hat. Auch hat er sich nie wirklich zum Schlafen hingelegt, sondern ist immer sofort aufnahmebereit gewesen, sobald ich mich bewegt habe. Immer verlangte er nach einem Arbeitsauftrag. Ob Hausschuhe, die Fernbedienung apportieren oder einfach runter gefallene Gegenstände zu apportieren. Irgendetwas musste er immer tun.

 

Nach einigen Monaten des Zusammenlebens haben wir die Dummyarbeit für uns entdeckt. Chewy ist ein gesegneter Apportierer, absolut glücklich, sobald Dummys flogen und er sie apportieren durfte. Gleichzeitig haben wir auch schon mal angefangen, für die Begleithundprüfung zu trainieren. Natürlich habe ich ihn in seinen Eigenschaften gefördert und mich sehr gefreut, wie ausdauernd und ehrgeizig er war.

 

Am Abend des 15.01.2010, gegen 22.30 Uhr ist unsere unbeschwerte Zeit plötzlich beendet gewesen.

 

An diesem Abend habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen epileptiformen Anfall eines Lebewesens miterlebt. Es ist war ein Schock für mich. Ich sehe die Bilder immer noch vor mir und es treibt mir immer noch Tränen in die Augen, wenn ich mich an den Augenblick meiner Hilflosigkeit und meines Entsetzens zurück erinnere. Ich sehe seine starren Augen, sein Stöhnen und seine panische Angst, als er aus dem Schlaf heraus vom Sofa runtergeknallt ist und angefangen hat zu krampfen. Dabei hat er doch gerade noch so entspannt auf dem Sofa geschlafen.

 

Ich kann mich noch daran erinnern, wie er sich im Halbschlaf auf die andere Seite drehen wollte, dabei der Hocker vom Sofa weg gerutscht ist und er sich erschrocken haben muss. Nach dem Sprung vom Sofa ist er etwas ungelenk auf dem Teppich aufgekommen, hat einen Buckel gemacht und ist zu mir vors Sofa zurück getorkelt. Auf dem Weg zu mir (ca. 1,5 Meter) hat er dann angefangen zu zittern und zu krampfen. Er ist umgefallen und wollte sich nochmal aufrichten, das hat er aber nicht mehr geschafft. Er ist krampfend und stöhnend liegen geblieben. Er hat am ganzen Körper gezittert und war ganz steif. Es war einfach nur schrecklich.

 

Entsetzt und voller Panik habe ich noch am selben Abend bei unserem Hunde-Physiotherapeuten angerufen. Ich habe in meinem Zustand keine andere kompetente Adresse um diese Uhrzeit gewusst.

 

Am nächsten Morgen sind wir dann auch gleich zu ihm in die Praxis gefahren. Daniel hat etwas von Hirnschranke, Synapsen und tierärztlichen Untersuchungen usw. gesprochen. Ich habe ihm nicht richtig folgen können, weil ich noch so durcheinander gewesen bin.

 

 

Die nächste Zeit nach dem Anfall ist „normal“ verlaufen, dennoch habe ich mir aber so meine Gedanken gemacht, habe das Internet durchforstet und meine Tierärztin befragt. Auch sie hat mir empfohlen, Chewy zu beobachten und Auffälligkeiten zu notieren. Gleichzeitig haben wir einen Bluttest gemacht, der unauffällig war.

 

Nach dem ersten Krampfanfall habe ich meine Züchter, die Deckrüdenbesitzerin und die Zuchtkommission des LCD davon informiert. Mit der Zuchtkommission und meinen Züchtern habe ich seitdem einige Telefonate geführt und E-Mails ausgetauscht. Sie haben mir in dieser schweren Zeit viel Zuspruch gegeben und standen mir mit Rat und Tat zur Seite, obwohl sie selber recht hilflos gewesen sind, da sie diese Symptome aus ihrer Zucht bis dahin nicht gekannt haben.

 

Mit der Besitzerin eines Wurfbruders von Chewy habe ich erneut Kontakt aufgenommen, da wir uns schon vor den Anfällen im Internet „gefunden“ haben. Ich habe ihr von Chewys Anfall erzählt. Sie hat mir berichten können, dass ihr Hund auch schon mehrere Krampfanfälle gezeigt hatte.

 

 

Fast zwei Monate hatten wir Zeit, uns vom ersten Schock zu erholen. Dann hat es das zweite Mal in Chewys Kopf geknallt.

 

Diesmal am 07.03.2010 im Deister beim Spaziergang. Mitten im Wald.

Wir sind dort mit einer Freundin und ihrer Hündin unterwegs gewesen, da ist Chewy plötzlich verstört zu mir gelaufen und hat gleich auf dem Waldweg einen Krampfanfall erlitten. Meine Freundin hat während des Anfalls die teilweise unnötigen Kommentare und die neugierigen Blicke der vorbeigehenden Passanten „abgefangen“, während ich mich um Chewy kümmern konnte. Nachdem dieser Anfall vorbei gewesen ist, habe ich Chewy angeleint und wir sind auf dem kürzesten Weg zum Auto gegangen, um nach Hause zu fahren.

 

Der März 2010 ist kein guter Monat für Chewy gewesen, denn in der Nacht zum 13.03. und am Nachmittag des 14.03. hat er nochmal jeweils einmal gekrampft.

 

Zwischen den Anfällen ist Chewy unauffällig gewesen ist – wenn man von seiner eigenen übermäßigen Motivation in Verbindung mit übertriebener Erregbarkeit, autistischen Symptomen und seiner Hyperaktivität mal absieht. Er hat pflichtbewusst gearbeitet, ist hoch motiviert gewesen und sah überhaupt keine Veranlassung, Stress zu meiden. Das machte die ganze Sache nicht einfacher.

 

Aber es musste langsam etwas passieren, so ging das nicht weiter. So habe ich Chewy erneut bei meiner ganzheitlichen Tierärztin vorgestellt. Sie hat eine Anamnese nach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) durchgeführt und hat ihm eine individuelle Bachblütenmischung verschrieben, mit der er tatsächlich nach ca. einer Woche sichtlich ruhiger wurde und erstaunliche 4 Kg in 5 Wochen an Gewicht zunahm. Zu den Bachblüten hat er Schüssler Salze, chinesische Kräuter und Vitamin E bekommen. Unterstützend dazu hat ihn die Tierärztin in regelmäßigen Abständen osteopathisch behandelt.

 

Während dessen hat der LCD nach einigem Hin und Her und dem beispiellosen Einsatz von Frau Lehnen einen Epi-Fond für betroffene Hundehalter eingerichtet. Dies hat sie mir im Sommer 2010 erfreut mitgeteilt, so dass wir zum Herbst die Ausschlussdiagnostik angehen konnten.

 

Die nächsten Monate sind ganz gut verlaufen. Chewy hat fleißig seine Bachblüten geschluckt und ich habe angefangen, mit ihm Entspannungskommandos einzuüben.

 

Der Alltag hat aber nicht immer das gleiche vor, was wir...

Im Juli 2010 ist es bei uns etwas turbulent zugegangen. Chewy hatte einen kleinen Hotspot an der rechten Flanke und war auch sonst wieder recht nervös und hibbelig. Beim Dummytraining hat er die Insekten um sich herum als sehr störend empfunden. Dadurch hat er eine leichte Panik bekommen, zeigte Stresshecheln und wollte sich einerseits in mich verkriechen, zeitgleich aber auch vor den Fliegen weglaufen. Ich habe das Training abgebrochen und wir sind nach Hause gefahren. Zuhause habe ich ihm direkt Rescue-Tropfen gegeben. Damit hat er sich ein wenig beruhigt, hat aber noch eine ganze Stunde meine unmittelbare Nähe gesucht, bis er sich wieder komplett gefangen hat. Er wäre am liebsten in meinen Pullover gekrochen. Aber wie soll man das bei einem 33 kg Hund anstellen?

 

Und so hat Chewy am 17.07.2010 abends erneut gekrampft.

 

 

Einige Tage nach dieser Panikattacke und dem erneuten Krampfanfall sind wir wieder zu unserer Tierärztin gegangen und haben ihr davon berichtet. Wir haben die alternative Behandlung nach einer erneuten Anamnese an Chewys Verhalten und Befindlichkeit angepasst. Ihm ist es danach zusehends besser gegangen, denn er wurde etwas ausgeglichener.

 

Nachdem ich mit Frau Lehnen abgesprochen habe, welche Untersuchungen für eine Ausschlussdiagnostik wichtig sind, haben wir im September 2010 mit dieser begonnen. Erst habe ich Chewy beim Kardiologen in Hannover vorgestellt. Dort wurde sein Herz geschallt und wenig später fand auch die MRT in einer neurologischen Tierklinik in Dettelbach statt.

 

Leider hat der Kardiologe im Zuge der Untersuchung DCM (dilatative Kardiomyopathie) bei ihm diagnostiziert. Chewy wurde dann sogleich auf Herzmedikamente eingestellt, die er seit September 2010 täglich bekommt. Auf meine direkte Nachfrage hin versicherte mir der Kardiologe, dass die Herzmuskelschwäche nicht die Ursache der Anfälle gewesen ist. Dies ist auch in seinem Gutachten nachzulesen.

 

Also sind wir mit dieser Diagnose Ende September in eine neurologische Tierklinik in Dettelbach zur MRT gefahren, um die Ausschlussdiagnostik abzuschließen. Der dort behandelnde Neurologe hat Chewy eingehend untersucht, Blut abgenommen und kurze Zeit später wurde Chewy auch schon in den Tomographen geschoben.

Hätte ich gewusst, wie schlimm die Aufwachphase für ihn gewesen sein würde, hätte ich mir die Ausschlussdiagsnostik zwei Mal überlegt...

 

Denn beim Aufwachen im Zwinger habe ich gedacht, Chewy bekommt wieder einen Anfall. Er hatte Todesangst, hat nicht gewusst, wo er war. Zusätzlich dazu konnten ihn seine Beine noch nicht sicher tragen. Ständig ist er wieder umgekippt und wäre beinahe mit dem Kopf gegen die Wand geknallt, hätte ich ihn nicht festgehalten. Er hat sich nicht beruhigen wollen. Dieser Anblick ist furchtbar gewesen. Erst als mein Ersthund Balou in den Aufwachraum gebracht wurde, wurde Chewy wieder ansprechbar und wir konnten diesen dann auch zügig verlassen.

 

Ich habe schon viele Hunde aus der Narkose aufwachen sehen, aber Chewy hat mit seiner Panik einfach alles in den Schatten gestellt.

 

Nachdem sich Chewy bei einem Spaziergang beruhigt hatte, hat der Neurologe mit mir die MRT-Bilder besprochen und mir gesagt, dass er in der MRT keine organischen Ursachen für die Krampfanfälle finden konnte. So haben wir die „Diagnose“ idiopathische (primäre) Epilepsie bekommen. Auch dies ist in einem Gutachten nachzulesen.

 

Anmerkung: Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft spricht man von idiopathischer "primärerer" Epilepsie, wenn nach kompletter Ausschlussdiagnostik

 

 

oder

 

 

keine Ursache für die Anfälle gefunden werden. Die Wissenschaft geht dann von einer erblichen Form der Epilepsie aus.

 

 

Deprimiert, traurig und in einer gewissen hilflosen Starre haben wir unser Entspannungstraining weitergeführt, mit der leisen Hoffnung wenigstens die BHP im Herbst laufen zu können.

 

Da Chewy seit Juli 2010 anfallsfrei gewesen ist, haben wir es dann tatsächlich gewagt und sind die geplante BHP im Hundeverein gelaufen. Chewy hat bestanden und hat nicht gekrampft.

 

Alle weiteren Prüfungen und Seminare im Dummybereich haben wir aber abgesagt. Das Wichtigste war jetzt das Entspannungstraining und möglichst anfrallsfrei zu bleiben.

Da Chewy aber ein 100%iger Arbeiter ist, habe ich mich nebenbei nach einer anderen, passenderen, Sportart für ihn umgeschaut. Denn ganz ohne Arbeit kann dieser Hund nunmal nicht existieren.

So habe ich bei der BHP im Herbst durch Zufall unsere zukünftige Obedience-Trainerin kennen gelernt.

 

Das Entspannungstraining, die alternative Behandlung und Obedience haben im weiteren Verlauf große Wirkung gezeigt. Chewy hat seinen Gefühlen nicht mehr maßlos freien Lauf gelassen, sondern hat sich gut konzentrieren können und ist selbstbeherrschter und insgesamt ausgeglichener geworden.

 

Im November 2010 ist nochmal eine Anamnese nach TCM bei unserer Haustierärztin erfolgt und die alternative Behandlung ist angepasst worden.

 

Unsere anfängliche Zuversicht hat Chewy aber leider passend zu Weihnachten mit einem Krampfanfall quittiert.

Meine Familie ist zum Weihnachtsessen am 24.12.2010 bei mir eingeladen gewesen. Ich war gerade dabei, das Essen zuzubereiten, die Hunde haben während dessen auf dem Fliesenboden in der Küche geschlafen. Plötzlich ist Chewy von einem dumpfen Knall im Treppenhaus wach geworden. Ich denke heute, dass er sich erschrocken haben muss, da er direkt zu mir angelaufen kam und Körperkontakt suchte. In dem Moment hat auch schon sein Nacken gekrampft. Er konnte zwar stehen bleiben, aber seinen Kopf nicht bewegen und hat mich verängstigt angeschaut. Dieser Zustand hat etwa eine Minute gedauert. Am Ende des Krampfes hat er sich doch noch hingelegt und hat noch ein paar Minuten gebraucht, bis er wieder aufnahmefähig gewesen ist.

 

Nach Weihnachten 2010 sind noch einige weitere Krampfanfälle gefolgt. Nach jedem dieser Anfälle lebe ich in „Angst“ vor dem nächsten Anfall. Jede verdächtige Bewegung oder einen komischen Blick von ihm beäuge ich argwöhnisch. Nachts stehe ich senkrecht im Bett, sobald Chewy aktiv träumt. Immer den Gedanken im Hinterkopf, ob diesmal daraus ein Krampf wird oder er nur etwas lebhafter träumt.

 

 

Seit April 2011 ist unsere Türklingel ausgestellt, da Chewy einmal von dieser aufgeweckt worden ist und direkt daraufhin krampfte.

 

Bei all seinen Krämpfen legt Chewy großen Wert auf engen Körperkontakt mit mir. Auch eine sanfte Ansprache meinerseits hilft ihm offensichtlich, nicht ganz aus unserer Welt abzudriften. Bis jetzt hat Chewy keinen Kot oder Urin während der Anfälle abgesetzt. Auch hat er bis jetzt nicht gespeichelt oder ist gar aggressiv geworden oder nach einem Krampf über längere Zeit desorientiert gewesen.

 

Ich kann also vermuten, dass er scheinbar an einer leichteren Form der idiopathischen Epilepsie leidet. Wobei mir der Neurologe gesagt hat, dass zukünftige Anfälle sein Gehirn durchaus in Mitleidenschaft ziehen bzw. die Anfälle immer schwerer werden können.

 

Da Chewys Wurfbruder in der Vergangenheit auch einige Anfälle erlitten hat, die teilweise bis zu 4 Minuten gedauert haben und alternative Medizin ihm leider nicht geholfen hat, ist er seit Anfang des Jahres 2011 auf Luminal (Antiepileptika) eingestellt und seitdem auch anfallsfrei. Drücken wir ihm alle Daumen, dass dies auch so bleibt.

 

Manche mögen vielleicht meinen, ein epileptischer Hund kann nur mit Antiepileptika behandelt werden. Ich bin mir dieser vorherrschenden Meinung bewusst und gehe mit Chewys Krankheit sehr ernst um, jedoch sind nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ca. 40 % aller behandelnden Hunde resistent gegen jegliche Form der Antiepileptika, 30 % bekommen weniger oder schwächere Anfälle und leider nur 30 % aller Hunde werden für Jahre anfallsfrei.

 

Zum Glück kommen Chewys Anfälle so selten, dass wir auf die Antiepileptika verzichten können. Dieses Glück haben andere betroffene Besitzer leider nicht und ihr Hund leidet zusätzlich noch unter den Nebenwirkungen der Medikamente, die abhängig machen und auf Dauer die Leber und/oder die Niere schädigen. Außerdem müssen die Tabletten täglich zur selben Zeit gegeben werden. Somit wird der Tagesablauf dieser Hundehalter noch mehr von der Krankheit beeinflusst als es bei uns schon der Fall ist.

Daher habe ich vorerst den alternativen Weg gewählt, bevor ich mit klassischen Medikamenten nur die Symptome – im besten Fall – unterdrücke.

 

 

Es ist nicht leicht mit einem Epileptiker zusammen zu leben. Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass wir nicht zu lange und nicht zu häufig in Stresssituationen kommen dürfen. Chewy braucht routinierten Alltag, sonst wird er nervös und kann sich dann auch auf einfache Kommandos nicht mehr konzentrieren. Er ist dann in seinem Verhalten sehr extrem. Er freut sich überschwänglich, genauso wie er sich übertrieben unterwirft oder mich versucht penetrant zu beschwichtigen, wo es nichts zu beschwichtigen gibt. An labilen Tagen ist ein Arbeiten mit ihm fast unmöglich, dann braucht er die unbedingte Sicherheit der Routine, denn solche labilen Tage sind der Erfahrung nach fast schon ein Garant dafür, dass sich wieder ein Anfall anbahnt.

 

 

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei meinen Züchtern, Familie Fallenberg und der Zuchtkommission des LCD für ihr offenes Ohr und ihre Hilfe bedanken.

Auch möchte ich insbesondere meinen Freunden und meiner Familie dafür danken, dass sie unseren recht schwierigen Alltag mit uns meistern und Rücksicht auf Chewy nehmen, wenn er mal wieder „hochdreht“.

Eine große Hilfe und Stütze bei meinen vielen Fragen ist mir in den letzten Jahren das Epilepsie-Forum für betroffene Hundehalter geworden (www.epi-forum.de). Vielen Dank dafür!

Und nicht zuletzt gilt mein Dank an all die bemühten und aufrichtigen Züchter im LCD, die ich seit dem Ausbruch der Krankheit kennen und schätzen gelernt habe.

 

Meinen Erfahrungsbericht möchte ich an dieser Stelle gerne auch dazu nutzen, an alle betroffenen Hundehalter UND Züchter zu appellieren, Krampfanfälle ihres Hundes unbedingt der Zuchtkommission des LCD zu melden, im weiteren Verlauf eine Ausschlussdiagnostik zu machen und diese in der Datenbank eintragen zu lassen, damit die Transparenz im Zuchtbereich gewahrt bleibt und diese wundervolle Rasse weiterhin von den Züchtern nach bestem Wissen und Gewissen gezüchtet werden kann.

 

 

Eva Lipiec, 26.03.2013

 

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